18    Allergien Vorbeugen. Allergieprävention heute:

fovran/entwicklung fördern statt Allergene vermeiden!

Der Weg in die Sackgasse

Heute wissen wir, dass die Anfänge der Allergieprävention ein Weg in die Sackgasse waren. Dennoch lohnt es sich, die Denkansätze von damals zu verstehen. Man sah einen Zusammenhang zwischen Aller­genkontakt – egal, ob es sich um Lebensmittel, Tiere oder Hausstaub­milben handelte – und dem Auftreten von allergischen Erkrankungen. Unbestritten ist die Entwicklung einer Allergie nur möglich, wenn es einen Kontakt mit dem Allergen gibt. Aus diesem einseitigen Denken heraus lag es nahe, die Meidung von Allergenen zur zentralen Maß­nahme der Allergievorbeugung zu machen. Langfristig ist es natürlich ein Wahnsinn, Meidung – im Medizinischen Karenz – als Stein der Weisen anzusehen. Wir können unserer Umwelt ja nicht aus dem Weg gehen. Außerdem wurde vollkommen ignoriert, dass es immer schon Allergenexposition gegeben hatte und die Ursachen für den deutli­chen Anstieg allergischer Erkrankungen viel komplexer sein mussten.

3.1    Erste Versuche, Allergien vorzubeugen

Das Stichwort der anfänglichen Allergieprävention hieß Karenz. Dieser Meidungsansatz betraf verschiedene Bereiche: vor allem die Ernährung von Schwangeren und Stillenden sowie die Ernährung des Kindes. Aber auch Innenraumallergene, wie Hausstaub und Tier­haare sowie Tabakrauch sollten weitestgehend gemieden werden. Die meisten der Empfehlungen in Richtung Karenz stellten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte als Irrweg und damit als wenig sinnvoll zur Vermeidung von Allergien heraus. In wenigen Bereichen lässt sich der Meidungsansatz heute noch rechtfertigen. Vor allem beim Thema Tabakrauch war und bleibt Karenz eine wirksame Maßnahme, um allergische Atemwegserkrankungen einzudämmen. Doch bevor wir uns der Gegenwart zuwenden, gilt es jetzt, die Denkansätze von damals nachzuvollziehen und zu verstehen, warum sie uns in eine Sackaasse aeführt haben.

3.1.1    Das frühe Fläschchen
Meidung schien die Lösung zu sein. Und wenn eine frühe Kuhmilch­gabe Allergien bewirkt, dann darf Kuhmilch nicht zu früh gegeben werden. Also wurde dafür geworben, Babys kein Fläschchen in den ersten Lebenstagen mehr zu geben. Diese Aktion ist auch aus heuti­ger Sicht nach wie vor sinnvoll!
Denn auch ohne das Thema Allergieprävention gibt es gute Gründe, das Fläschchen in den ersten Lebenstagen infrage zu stellen. Dass der junge Organismus möglicherweise noch gar nicht auf künstliche Nahrung eingestellt ist, liegt nahe:
Die Natur hat es so eingerichtet, dass der eigentliche Milcheinschuss der Mutter erst drei bis vier Tage nach der Geburt kommt. Ganz offensichtlich ist der Säugling in den ersten Lebenstagen nicht auf eine Nahrungsaufnahme eingerichtet. Folglich ist auch eine Gewichtsabnahme in den ersten Tagen nach der Geburt vollkom­men normal. Bräuchte der Säugling von Anfang an gleich die nor­male Stillmenge von 800 bis 1.000 Milliliter pro Tag, hätte die Natur es vermutlich so eingerichtet, dass diese Milchmenge auch von Anfang an fließt.
Das Einzige, was ein gesunder Säugling kurz nach der Geburt braucht, sind die paar Tropfen Milch, die beim Saugen an der Brust der Mutter kommen. Denn diese Tropfen sind besonders wertvoll: In den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt gibt die Brust die sehr eiweißreiche Kolostralmilch ab. Sie ist voll von Antikörpern und anderen Immunfaktoren. Bei Antikörpern sind vor allem die mütter­lichen IgA-Antikörper relevant, die sich gegen Keime der Umgebung richten. IgA-Antikörper sind die zweitgrößte Antikörperfraktion, die In unserem Körper »herumschwimmt« und die als Schutzschicht auf allen Schleimhäuten wirkt. Die mütterlichen IgA-Antikörper schützen den kindlichen Organismus in den ersten zwei bis drei l rbenstagen, in denen der Darm noch durchlässig ist, vor den Kei­men der Umwelt. Eine Impfung über die Muttermilch! Genial, oder?

‚ i.mz offensichtlich ist die gezielte Weitergabe von Immunfaktoren ilurch die Mutter an das Kind wichtiger für das Überleben als die Nahrungsaufnahme.

Doch da die Voraussetzung für die Aufnahme der Immunfaktoren nus der Kolostralmilch eine durchlässige Darmschleimhaut ist, wird auch klar, warum ein Fläschchen zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll

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