Schon an dieser Stelle aber ein erfreuliches Wort zur Prognose: Kleinkindliche Allergien auf Grundnahrungsmittel, insbesondere auf Kuhmilch und Hühnerei, verschwinden häufig im Verlauf des Klein­kindalters wieder. Offensichtlich schafft es der Körper, nachträglich doch noch Toleranz auszubilden.

2.2    Allergierisiko – die Bedeutung der Vererbung
Wir wissen, dass die Vererbung bei der Allergieentstehung eine Rolle spielt. Liegt in der Kernfamilie, das heißt bei Vater, Mutter und/oder Geschwisterkind eine Erkrankung des atopischen Formenkreises vor, hat ein weiteres Familienmitglied ein erhöhtes Risiko, auch eine die­ser Krankheiten zu entwickeln. Ist ein Elternteil allergisch, wird auch der Nachwuchs mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit allergisch werden. Und es gibt sogar Rechenbeispiele dafür: Leidet Vater oder Mutter unter Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma oder einer Nahrungsmittelallergie, wird auch das Kind zu 30 Prozent Allergiker. Haben Vater und Mutter sogar beide eine allergische Erkrankung, steigt das Risiko auf etwa 60 Prozent. Ist es bei beiden Eltern sogar das gleiche Krankheitsbild, sind es sogar 70 Prozent. Selbst die All­ergie eines Geschwisterkindes erhöht das Risiko auf 25 Prozent. Wird Ihnen langsam mulmig zumute?

 

Was tun? Den Kopf in den Sand stecken und demütig das eigene Schicksal erwarten? Nein! Denn eines ist ja, wie erwähnt, inzwi­schen klar: Für Allergien sind nicht nur unsere Gene verantwortlich. Umwelteinflüsse sind ebenfalls an der Entstehung allergischer Erkrankungen beteiligt.
Kein Zweifel: Der frühe Kontakt mit gewissen Allergenen aus der Umgebung kann – wie in Kapitel 3 noch ausführlich beschrieben – das Allergierisiko erhöhen. Welchen Anteil diese Umweltfaktoren ausmachen, weiß bisher niemand genau. Denn Menschen sind ja keine Blumen, die man unter gleichbleibenden Umweltbedingun­gen hin und her kreuzt. Wäre das möglich, ließen sich genauere Aussagen über die Rolle der Genetik treffen. Aber so wissen wir doch gar nicht, wie hoch der Anteil der Vererbung wirklich ist. Wir können heute allerdings mit Sicherheit davon ausgehen, dass Umweltfak­toren sehr wohl einen Einfluss auf die Allergieentstehung haben – sonst bräuchten wir uns um das Thema Allergieprävention erst gar keine Gedanken zu machen.

Aus heutiger Sicht ist allerdings kaum nachzuvollziehen, dass Umwelteinflüsse bisher immer nur von der negativen Seite betrach­tet wurden. Man hat immer nur geschaut, welche Faktoren ein Risiko darstellen. Inzwischen gibt es aber immer mehr Hinweise darauf, dass Umwelteinflüsse auch schützend wirken können! Aber darauf kommen wir später noch detaillierter zu sprechen.

Jetzt sehen wir uns erst einmal an, warum man überhaupt darauf kam, dass die Allergierate nicht nur von den genetischen Bedingun­gen abhängt, sondern auch andere Einflussfaktoren hat.
2.3    Der Blick in die Vergangenheit
Unter dem massiven Einfluss der Werbung in den 60er-Jahren war Stillen »out«. Stillrate und Stilldauer erreichten ein Rekordtief. Nur noch jedes zehnte Kind wurde mit Muttermilch ernährt – in einer Zeit, in der die Geburtenrate so hoch war wie nie!

Etwa zur gleichen Zeit wurde vermehrt über das Auftreten von Kuh­milchallergien bei Säuglingen berichtet. Für die Entstehung dieser Allergie schien insbesondere die frühe Gabe von Kuhmilch oder Säuglingsnahrungen aus Kuhmilch mit einem erhöhten Risiko einer Kuhmilchallergie verbunden zu sein.

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