Allergien Vorbeugen

Allergien Vorbeugen. Allergieprävention heute:

Toleranzentwicklung fördern statt Allergene vermeiden!

Doch auch gestillte Säuglinge entwickelten in seltenen Fällen eine Kuhmilchallergie, die sich dann bereits bei der ersten Gabe von Kuh­milch im Rahmen der Beikost zeigte. Was bedeutet das?

Nach der geschilderten Theorie ist das nicht möglich. Allergische Symptome können grundsätzlich nur dann zustande kommen, wenn bereits IgE-Antikörper vorhanden sind. Kommt ein Säugling erstmalig mit Kuhmilch in Berührung und reagiert sofort, bedeutet das, dass er bereits IgE-Antikörper gegen Kuhmilch im Blut hat. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Es muss schon während der Stillzeit ein Allergenkontakt und eine Sensibilisierung stattgefunden haben. Wie ist das möglich? Tatsächlich konnte in einigen Fällen zurückverfolgt werden, dass bereits vor der Stillzeit, nämlich in der Geburtsklinik im Verlauf der ersten Lebenstage, Kuhmilch gegeben wurde. Bei diesen Säuglingen war der Kuhmilchkontakt im Rahmen der Beikosteinfüh­rung also gar nicht das erste Mal.

Inzwischen ist darüber hinaus bekannt, dass auch in der Muttermilch Spuren von Kuhmilch Vorkommen, nämlich dann, wenn die Mutter Milch und Milchprodukte verzehrt. Über diesen Umweg ist eine Sensibilisierung auch über die Muttermilch möglich. Allerdings sehr selten, wie man heute weiß.
Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur frühen Beikost­einführung zeigten schließlich auch noch, dass ein »zu früh« mit einer vermehrten Wahrscheinlichkeit für eine Allergieentwicklung verbunden war. Kinder, die vor dem dritten Lebensmonat neben ihrer Milch – egal, ob sie gestillt wurden oder Säuglingsnahrung aus der Flasche bekamen – noch andere Nahrungsmittel erhielten, entwickelten deutlich häufiger allergische Symptome als die mit aus­schließlicher Milchernährung (Muttermilch/Säuglingsmilch).
Verlassen wir vorübergehend das Thema Ernährung. Es gibt ja noch eine ganze Reihe anderer Fremdstoffe, mit denen sich der Säugling auseinandersetzen muss. Und tatsächlich, auch in Bezug auf Umweltallergene wurden in Ländern mit westlichem Lebensstil Zusammenhänge zwischen Allergenexposition und einer hohen Allergierate gesehen: Beispielsweise beobachtete man, dass auffällig viele Säuglinge aus Neuseeland allergische Symptome entwickelten, vorwiegend in Form von Asthma. Und die Ursache schien schnell gefunden: Die Kinder schliefen traditionell auf Schaffellen. Die Haus­staubmilbenzahl auf diesen Schaffellen war immens.

Die Vermutung lag nahe, die hohe Milbenbelastung für die Allergie­entstehung verantwortlich zu machen. Dass diese Zusammenhänge zwar nicht falsch sind, aber Allergieentstehung sehr viel komplexer verläuft, wurde erst Jahre später deutlich.

Auch Haustiere schienen einen negativen Einfluss zu haben. Viele Untersuchungen zeigten, dass Kinder mit Haustieren häufiger unter Allergien litten als Kinder ohne Tierkontakt. Ähnlich wie bei den Hausstaubmilben zeigten Kinder mit Haustieren vor allem asthma­tische Beschwerden. Bei dieser Beobachtung wurde allerdings lange ignoriert, dass es sich bei den betroffenen Kindern vor allem um Stadtkinder handelte, nicht aber um solche, die unter traditionellen bäuerlichen Bedingungen aufwuchsen.